{"id":6488,"date":"2016-06-06T09:07:35","date_gmt":"2016-06-06T07:07:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/?p=6488"},"modified":"2017-10-12T18:49:19","modified_gmt":"2017-10-12T16:49:19","slug":"wissenschaftliches-arbeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/index.php\/wissenschaftliches-arbeiten\/","title":{"rendered":"\u201eNun sag, wie hast du\u2019s mit der Wissenschaft?\u201c \u2013 die faustische Gretchenfrage wissenschaftlichen Arbeitens aus Studierendensicht"},"content":{"rendered":"<p><em>Leichtfertigkeit, Betrug und Ungenauigkeit in der Wissenschaft in Form von unrichtigen Forschungsbehauptungen, gef\u00e4lschten Studienergebnissen oder der unredlichen Anma\u00dfung fremder Leistungen sind nichts Neues.\u00a0Jedoch scheint die Investigation in Zeiten digitalisierter, zeit- wie kosteng\u00fcnstigerer und auch medienwirksamerer Recherche eine Renaissance zu erleben. Sucht man nach den Ursachen des gef\u00fchlten Anstiegs wissenschaftlicher Fehltritte, wird gerne in den Fokus ger\u00fcckt: Die unzureichende Vorbereitung und das mangelnde (Unrechts-) Bewusstsein der heutigen Studierenden und Jungforscher\/innen. Beides m\u00f6gen Symptome dessen sein \u2013 es krankt aber an anderem\u2026<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[ein Beitrag zur &#8222;<a href=\"http:\/\/www.plagiatpruefung.at\/blogparade-zukunft-wissenschaftliches-arbeiten\" target=\"_blank\">Blogparade: Die Zukunft des wissenschaftlichen Arbeitens<\/a>&#8220; f\u00fcr die &#8222;Zitier-Weise\u00a0\u2013 Agentur f\u00fcr Plagiatpr\u00e4vention&#8220;]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Wissenschaft im Studium \u2013 Willkommenskultur und Arbeitsr\u00fcstzeug<\/h2>\n<p>Ma\u00dfnahmen zum \u201eUmgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten\u201c wie Leitf\u00e4den zu den \u201eGrunds\u00e4tzen guter wissenschaftlicher Praxis\u201c gibt es an jeder akademischen Institution. Viele Studierende empfinden sie allerdings eher als Leid-F\u00e4den, die sie anstrengend wie faserigen Spargel durch ihr Studium kauen, die ihnen schwer im Magen liegen und die (leider) allzu oft unverdaut wieder ausgeschieden werden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/graduate-702997.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-6491\" src=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/graduate-702997-190x300.jpg\" alt=\"Graduierung\" width=\"190\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/graduate-702997-190x300.jpg 190w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/graduate-702997-648x1024.jpg 648w\" sizes=\"auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px\" \/><\/a>Zun\u00e4chst beginnt \u201eechte\u201c Wissenschaft in den K\u00f6pfen vieler Studierender erst nach dem Studienabschluss. Dabei leisten Studienarbeiten ebenso Beitr\u00e4ge zur Fortentwicklung der Wissenschaft \u2013 das wertsch\u00e4tzend zu betonen, w\u00fcrde Studierende weit st\u00e4rker motivieren, auch deren methodische Standards zu sch\u00e4tzen. Jede\/r Studierende wird bereits mit der Immatrikulation Teil der Scientific Community (mit allen Rechten und Pflichten). Jedoch gilt das Studium vielen Studierenden trotz des ihnen gegen\u00fcber stets bem\u00fchten Humboldt\u2018schen Bildungsideals als reines (Ausbildungs-) Mittel zum (Employability-) Zweck. Die meisten k\u00f6nnen oder wollen ohnehin nicht \u201ein die Wissenschaft\u201c nach dem Bachelor- oder\u00a0 Masterstudium als notwendigem Durchgangsstadium. Wissenschaftlich Arbeiten w\u00e4hrend (und oft leider nicht als Teil) desselben gilt als Einwegfahrkarte durch eine tolerierte, nicht aber akzeptierte Wissenschaftswelt \u2013 man braucht sie, aber sie wird sogleich entwertet.<\/p>\n<p>Wie aber soll man wissenschaftlich Arbeiten \u2013 sprich: Die Wissenschaft \u201eleben\u201c \u2013 ohne sich damit zu identifizieren? Statt im Studium willkommen gehei\u00dfen zu werden, um fr\u00fchzeitig einen wissenschaftlichen \u201eEsprit de Corps\u201c zu entwickeln, lernen Studierende zun\u00e4chst die akademische B\u00fcrokratie kennen und k\u00e4mpfen um die wenigen Sitzpl\u00e4tze in Veranstaltungen, mies bezahlte Studentenjobs und unterfinanzierte Studienbeihilfe. Statt \u201eim\u201c Wissenschaftssystem zu arbeiten d\u00fcrfen sie fr\u00fchzeitig lernen, sich mit Ellenbogenmentalit\u00e4t dagegen zu stemmen um nicht aufgefressen zu werden. Wie bei der Schnelleinschulung eines\/r Aushilfsmitarbeiters\/in, werden Studienkollegen\/innen allerlei Hilfsmittel, Methodenk\u00f6fferchen und R\u00fcstzeug mitgegeben \u2013 warum sie hier sind und wie man sie mental darauf einstellt, entscheidet aber ma\u00dfgeblich \u00fcber die korrekte Benutzung. Statt warmer Massenbegr\u00fc\u00dfungsworte im Audimax k\u00f6nnten s\u00e4kulare Initiationsriten Zugeh\u00f6rigkeit schaffen, um die wissenschaftlichen Regeln der Gruppe annehmen zu k\u00f6nnen. Mentoren\/innen und Tutoren\/innen sollten hier st\u00e4rker institutionell eingebunden werden, um Orientierung durch Wertevermittlung im Peergroups zu leisten. Statt T-Shirts mit Hochschul-Logo im \u00d6H-Shop zu verkaufen, w\u00fcrden Studierende, die sich dieses durch vorbildliches Verhalten \u201everdient\u201c h\u00e4tten, mit Stolz tragen und ihre Wissenschaftsinstitution \u00fcberzeugt nach au\u00dfen vertreten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/birger-kollmeier-910261.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-6493\" src=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/birger-kollmeier-910261-300x200.jpg\" alt=\"Professor\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/birger-kollmeier-910261-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/birger-kollmeier-910261-1024x682.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\u201eWissenschaft\u201c wird Studierenden gerne mit weihevollen Attributen wie der freien Forschung und akademischen W\u00fcrden in Reden und Statements nahegelegt. Im Studienalltag aber geht es um die Verk\u00fcrzung der Studiendauer, standardisierte Massen-Killerpr\u00fcfungen und knappe Auslandsstipendien. Die Professoren\/innen rufen erstsemestrige Kommilitonen\/innen oft zwar in direkter \u00dcbersetzung \u201eHerr\/Frau Kollege\/in\u201c. Die Hierarchie wird aber nicht nur im Tonfall oder dem verschmitzten Grinsen \u00fcberdeutlich; das Gef\u00e4lle setzt sich in \u00d6sterreich noch bis zur Promotion fort, der ein Doktorats-\u201eStudium\u201c ohne Publikationspflicht voranzugehen hat. Selbst auf der dritten Bologna-Ebene wird der Nachweis selbstst\u00e4ndig wissenschaftlichen Arbeitens rein studienrechtlich gedacht und in Form von in drei Jahren zu erbringenden Studienpunkten administriert statt Jungforscher\/innen sp\u00e4testens jetzt identit\u00e4tsbildend als wissenschaftliche Kollegen\/innen aufzunehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Wissenschaftssprache \u2013 mehr als methodische Form<\/h2>\n<p>Versteht man unter \u201eWissenschaft\u201c ganz allgemein eine T\u00e4tigkeit, bei der ein Sachverhalt mit objektiven und nachvollziehbaren Methoden systematisch beschrieben und untersucht wird, haftet dem aus Studierendensicht Mief und Strenge des Formellen an. Dies verinnerlichen zu m\u00fcssen, mutet f\u00fcr Studierende aus (mindestens) zwei Gr\u00fcnden wenig sexy an:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/book-15584.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-6496\" src=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/book-15584-300x269.jpg\" alt=\"Schule\" width=\"300\" height=\"269\" srcset=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/book-15584-300x269.jpg 300w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/book-15584-1024x920.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Zum einen hat die Mehrheit bereits die erste disziplinarische Keule in der staatlichen Schule gesp\u00fcrt. Hier dominierten ruhiges Geradesitzen, p\u00fcnktlich getaktetes Einheitslernen und abgepr\u00fcfter Pflichtstoff. Nun soll der Schock auf Stufe zwei im Studium folgen, wo \u00e4hnliche Motivationshemmer den harten Ton anschlagen: Gleich zu Anfang wird konnotiert, dass ein wissenschaftlicher Text in vielerlei Hinsicht noch strengeren Kriterien zu gen\u00fcgen habe als beispielsweise ein Schulaufsatz. Dass dies in der Sache v\u00f6llig korrekt ist und Methodengrundlagen richtigerweise zu Studienbeginn thematisiert werden, steht an dieser Stelle au\u00dfer Frage. Allein beg\u00fcnstigt die blo\u00dfe Aufz\u00e4hlung von formellen Kriterien, die erm\u00fcdende Betonung der Unerl\u00e4sslichkeit und die Androhung von Sanktionen keine motivierende Wirkung. Dies wie das Hinzutreten einer neuen Ebene von Eigenverantwortung f\u00fcr Studium und Studienarbeiten weckt in studentischen K\u00f6pfen eher Assoziationen wie \u201em\u00fchsam\u201c und \u201elangweilig\u201c.<\/p>\n<p>Zum anderen gewinnen Studierende schnell das Gef\u00fchl, bei dieser Art Wissenschaft ginge es lediglich um das Widerk\u00e4uen und Zusammenfassen bestehenden Wissens auf formal korrekte Weise. Das kostet sie Zeitaufwand zur gef\u00fchlt reinen Prostitution gegen\u00fcber den Lehrenden. Zumal die meisten Absolventen\/innen au\u00dferhalb der Wissenschaft leben und arbeiten, ist auch der damit verbundene \u00dcbungszweck f\u00fcr sp\u00e4ter nicht zu vermitteln. Da Aufgabenstellung und Setting von wissenschaftlicher Studienarbeit meist wenig Bewegungsfreiheit f\u00fcr eigene Ideen und Geistesblitze vorsieht, werden bahnbrechende Ergebnisse weder gefordert noch erwartet \u2013 das vergeudet nicht nur Potenzial. Es motiviert genauso wie das w\u00f6chentliche Putzen des WG-Bades \u2013 es muss halt erledigt werden, wird aber eh wieder dreckig. Das ist umso mehr schade, als Wissenschaft doch gerade das Gebrauchen des eigenen Verstandes anregen will. Selbst zu denken, geht oft in Zitationsregeln und vollst\u00e4ndigen Theorienauflistungen verloren.<\/p>\n<p>Zur wissenschaftlichen Anleitung etwa in einem Seminar sollte deshalb auch die klare Ansage geh\u00f6ren, was an reiner Aufarbeitung von Forschungsst\u00e4nden erwartet wird und wo Spielr\u00e4ume f\u00fcr Eigenes vorgesehen sind. Dass diese z.B. bei Zitierregeln nicht bestehen, verstehen Studierende leichter, wenn man Ihnen im gleichen Atemzuge mitteilt, wo sie z.B. bei der inhaltlichen Schwerpunktsetzung liegen k\u00f6nnen. Liest man wissenschaftliche Literatur nach brechtscher Manier wie die \u201eSchriften von Verd\u00e4chtigen\u201c, kann sich investigativer Drang entwickeln, diese zu \u201e\u00fcberf\u00fchren\u201c. F\u00fcr im Gerichtssaal Beschuldigte funktioniert diese \u00dcberf\u00fchrung ebenfalls nur nach strengen (rechtsstaatlichen) Methoden &#8211; bei Formfehlern gilt dort zu Recht: Im Zweifel f\u00fcr die\/den Angeklagte\/n. In der Wissenschaft gilt genauso ein \u00dcberf\u00fchrungsversuch au\u00dferhalb wissenschaftlicher Methodik als missgl\u00fcckt \u2013 das sollte als herausfordernde Challenge etwa \u00fcber eigene Methoden\u00fcbungen wie -wettstreite und\u00a0nicht reine Pflichtendisziplin vermittelt werden!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/love-letter-1285404.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-6498\" src=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/love-letter-1285404-300x222.jpg\" alt=\"Schreibfreude\" width=\"300\" height=\"222\" srcset=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/love-letter-1285404-300x222.jpg 300w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/love-letter-1285404-1024x759.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Da Wissenschaft immer mit Sprache zu tun hat, gibt es \u2013 wie bei jedem Medium \u2013 unterschiedliche Zug\u00e4nge. <a href=\"https:\/\/www.schreibwerkstatt.co.at\/wissenschaft\" target=\"_blank\">Einige Studierende schreiben gerne, andere besitzen St\u00e4rken im M\u00fcndlichen, wieder andere k\u00e4mpfen mit Blockaden<\/a>. Will Wissenschaft f\u00fcr Studierende nicht blo\u00dfe Sophistik sein, sollte sie nicht in den Habitus des Verpackungsmaterials gewandet bleiben sondern z.B. kreatives Schreiben als Teil von wissenschaftlichem Schreiben ansehen. Statt als reines Notfallmedikament zur Aufl\u00f6sung von Schreibblockaden injiziert, kann es als Pr\u00e4ventivtool Verwendung finden, um eine spielerische und motivierende Pforte zur Wissenschaftssprache zu \u00f6ffnen. Simsalabim \u2013 warum lesen sich die viele wissenschaftliche Arbeiten so, wie S\u00e4gesp\u00e4ne im Kuchen schmecken? Disziplin\u00e4re Fachsprache kann fremdw\u00f6rterlastig und trocken verbacken werden, muss es aber nicht zwingend. Legen wir nur Wert auf Methode, vernachl\u00e4ssigen wir lebendige Sprache und auch die Lust, mit ihr methodisch korrekt zu arbeiten. Wenn wir Studierenden einimpfen, die Medizin der \u201ewissenschaftlichen Sprache\u201c m\u00fcsse bitter schmecken, sonst n\u00fctze sie nichts, treibt das Bl\u00fcten: Statt neue Erkenntnisse pointiert auf den Punkt zu bringen, wird hochgeistig herumgeschwafelt und rhetorische Kosmetik betrieben, wie es leider h\u00e4ufig im Abschlussarbeiten anzutreffen ist.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/pretty-351884.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-6500\" src=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/pretty-351884-300x214.jpg\" alt=\"Generation Y\" width=\"300\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/pretty-351884-300x214.jpg 300w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/pretty-351884-1024x732.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Da junge Menschen kreativ besser arbeiten und sich lieber auf freie Formate einlassen, sollten Lehrveranstaltungen zum wissenschaftlichen Schreiben dies ber\u00fccksichtigen und schreibp\u00e4dagogische Elemente ber\u00fccksichtigen. Wissenschaftlich exakte Sprache und methodische Korrektheit bilden dazu keinen Widerspruch, solange den Studierenden deutlich gemacht wird, wann was gefragt ist. Auch eine Di\u00e4t funktioniert erfahrungsgem\u00e4\u00df nicht allein mit Einschr\u00e4nkungen, Weglassen und Abspecken allein.\u00a0 Dass \u201eCopy &amp; Paste\u201c aus dem Internet wie erfundene Versuchsreihen ein No-Go sind, bedarf ausdr\u00fccklicher Klarstellung; dass und wie (wissenschaftliches) Schreiben Spa\u00df machen sollte, ebenso. Dem Abgabe-Deadlines und Notendruck im Nacken sitzen, der\/die\u00a0 qu\u00e4lt sich weniger genau mit Fu\u00dfnotenkontrollen als Die\/Derjenige, bei der\/m die Freude an der Fertigstellung vorh\u00e4lt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Wissenschaftliche Werte \u2013 Pers\u00f6nlichkeit und Freiheitsdrang<\/h2>\n<p>Methoden zu \u00fcben, ist die eine (wichtige) Seite der Medaille \u2013 deren Sinn und die dahinter stehenden Werte zu vermitteln, die andere. Wissenschaftliche Texte verarbeiten eigene Erkenntnisse und die anderer, indem sie diese wiedergeben, zueinander in Beziehung setzen, kommentieren und zur Grundlage eines wissenschaftlichen Fortschritts\u00a0 machen. Warum es hierbei darum geht, verst\u00e4ndlich und geordnet, folgerichtig und nachvollziehbar zu schreiben, erkl\u00e4rt sich (nur) aus den Werten von Wissenschaft selbst. Die Generationen Y und Z akzeptieren vorgefertigte Meinungen und Strukturen nicht (mehr) deshalb, nur weil sie da sind und es schon immer waren. Ebenso wenig besteht Wissenschaft einzig aus scholastischer Replizierung etablierter Lehrmeinungen. Warum \u201ewissenschaftliches Arbeiten\u201c nicht dem Establishment dient sondern mir als Studierender\/m hilft?<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/argument-238529.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-6502\" src=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/argument-238529-300x214.jpg\" alt=\"Wissenschaftliche Argumentation\" width=\"300\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/argument-238529-300x214.jpg 300w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/argument-238529-1024x729.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Da Wissenschaft wie alle Kommunikation mit dem Sender-Empf\u00e4nger-Problem konfrontiert ist, muss sie so eindeutig und klar wie m\u00f6glich sein. Ich wei\u00df nicht, welche Pr\u00fcfer\/innen meine Seminararbeit lesen oder welche Forscherkollegen\/innen meine wissenschaftliche Abhandlung. Will ich m\u00f6glichst alle \u00fcberzeugen statt nur niederboxen zu wollen, muss die Aufbereitung meiner Erkenntnisse aus sich heraus so wasserdicht sein, dass jedwede Leserschaft \u2013 ob besonders kritisch, von einer anderen wissenschaftlichen \u201eSchule\u201c stammend oder mit nur wenig Begeisterung f\u00fcr mein Sonderthema \u2013 klar versteht, was ich meine. Mehrdeutigen Ausdr\u00fccken schicke ich m\u00f6glichst kurze und exakte Definitionen voraus und nutze zur Pr\u00e4zisierung die in meiner Wissenschaftsdisziplin verwendete Fachsprache. Meine Wissenschaft darf auch keine Angst vor \u00dcberpr\u00fcfung haben. Beschriebene Fakten und Zusammenh\u00e4nge sollen von jedermann jederzeit falsifiziert werden k\u00f6nnen. Nach jedweder Kontrolle, der sie standgehalten haben, werden meine Erkenntnisse und meine wissenschaftliche Leistung st\u00e4rker und entgehen dem Ausweichargument \u00e1 la \u201eJa, das ist halt blo\u00df deine Meinung!\u201c Dazu geh\u00f6rt auch eine vollst\u00e4ndige transparente Darstellung, wie ich zu Daten gelangt bin, mit welcher inhaltlichen Methodik ich sie interpretiert und in welche Zusammenh\u00e4nge ich sie gebracht habe.<\/p>\n<p>Studierende sollten zuerst diese Zusammenh\u00e4nge verstehen lernen und sich zu Eigen machen. Wissenschaftliches Arbeiten wird dann zu andragogischer Selbst- statt p\u00e4dagogischer Freiheitsbeschr\u00e4nkung. Jedem Einf\u00fchrungskurs \u00fcber wissenschaftliches Arbeiten sollte demnach ein solcher \u00fcber Wissenschaftstheorie und die Ziele von Wissenschaft vorausgehen \u2013 die Technik alleine \u201emacht\u2018s bekanntlich nicht\u201c. Vielmehr sollte neben der kognitiven Verst\u00e4ndnisebene jeder einzelne Studierende einen pers\u00f6nlichen Bezug zu wissenschaftlichem Arbeiten herstellen k\u00f6nnen. Was bedeutet wissenschaftliches Arbeiten f\u00fcr mich? Welchen Wert verinnerliche ich am meisten und wieso? Entf\u00e4llt diese pers\u00f6nliche Reflexionsebene, bleibt allein die (zum Teil unreflektierte) Verpflichtung zur Befolgung wissenschaftlicher Mindeststandards bestehen. Bei einigen mag das funktionieren, weil sie wissenschaftswidrige Energie nicht aufbringen wollen oder die Sanktion f\u00fcrchten, falls sie dabei ertappt werden. Bei anderen kann es aber umgekehrt den Drang befl\u00fcgeln, Irr- und Umwege zur Umgehung in das Dickicht zu trampeln. Ganze Wirtschaftszweige wie das Ghostwriting naschen an diesem bitters\u00fc\u00dfen Nektar rechtlicher Graubereiche mit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Redlichkeit \u2013 Grenzen und Inhalt in der Wissenschaftsdiskussion<\/h2>\n<p>Wenn auch wissenschaftliche Arbeit als solche von der Person abstrahiert bleibt, sprich: objektiv-realistisch zu erfolgen hat, ist Wissenschaft selbst aber niemals von Personen zu trennen! Diese wichtige Differenzierung bereitet vielen Studierenden Unbehagen. Dass ich mir ein Thema ausgesucht habe, weil es mich besonders interessiert, ist ein wichtiger Punkt f\u00fcr meine Identifikation, aber noch kein methodisches Problem. Ob dieses\u00a0Thema im Folgenden neutral und ehrlich beleuchtet wurde oder nur von mir herausgepickte Aspekte ohne Bezug zum Gesamtkomplex, allerdings schon.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/chinese-676647.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-6503\" src=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/chinese-676647-300x300.jpg\" alt=\"Redlichkeit\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/chinese-676647-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/chinese-676647-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/chinese-676647-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/chinese-676647-400x400.jpg 400w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/chinese-676647.jpg 1859w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Auch graduell gilt es zu unterscheiden. Ob ich absichtlich Daten f\u00e4lsche, ob ich plagiiere oder ob ich eine von fremder Geisterhand verfasste wissenschaftliche Arbeit \u00fcbernehme: Es handelt sich mithin um verschiedene Arten wissenschaftlichen Fehlverhaltens. Im ersten Fall liegt schon kein wissenschaftliches Forschen im eigentlichen Sinne vor, im zweitgenannten finden Argumente anderer ohne Kennzeichnung Verwendung, um die eigene Forschung zu st\u00fctzen, im dritten wird letztlich nicht bezogen auf die objektive Qualit\u00e4t der Forschung get\u00e4uscht sondern bezogen auf die wissenschaftliche Eigenleistung als Ganzes. Begr\u00fcndungen von Fakult\u00e4tskommissionen bei der \u00dcberpr\u00fcfung uralter Doktorarbeiten verweisen teilweise auf den wissenschaftlichen Duktus der Zeit oder Besonderheiten der F\u00e4cherkultur. Man mag dies als Relativierungen brandmarken. Jedenfalls zeigt es doch die Notwendigkeit, offen \u00fcber die wissenschaftlichen Vergleichsma\u00dfst\u00e4be im jeweiligen zeitlichen wie fachlichen Kontext zu sprechen. Unweigerlich ver\u00e4ndern sie sich rasant und k\u00f6nnen nicht wie die heilige Kuh im Piranha-Becken behandelt werden, wo zwischen reiner Sauberkeit und dem kleinsten, todbringenden Ritzer kein Blatt passt. Ein Versto\u00df gegen wissenschaftliche Redlichkeit etwa ist weder besser noch schlechter als gegen den der Objektivit\u00e4t oder andere wissenschaftliche Wertigkeiten \u2013 es liegen nur jeweils andersgeartete Probleme und auch differenzierte L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten vor.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/moon-1275774.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-6506\" src=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/moon-1275774-300x207.jpg\" alt=\"Weltsicht\" width=\"300\" height=\"207\" srcset=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/moon-1275774-300x207.jpg 300w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/moon-1275774-1024x707.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Zu wissenschaftlicher Ehrlichkeit geh\u00f6rt auch, zu sagen was Wissenschaft und damit wissenschaftliches Arbeiten alles nicht erfasst. Studierenden wird damit Angst und Entt\u00e4uschung genommen, welche die \u00dcberh\u00f6hung von Wissenschaft bei Ihnen teilweise (z.B. gegen\u00fcber Kunst, Politik und Weltanschauung) ausl\u00f6st und Metaphern wie diejenigen vom wissenschaftlichen Elfenbeinturm beg\u00fcnstigt. Wissenschaft und wissenschaftliches Arbeiten sollen uns letztlich die Welt n\u00e4herbringen, verst\u00e4ndlich und nachvollziehbar machen. Manchmal gelingt das, manchmal aber auch nicht. Wissenschaft beschr\u00e4nkt sich auf ihre jeweilige Methodik, das l\u00e4sst sie nachvollziehbar und exakt anmuten \u2013 aber eben auch begrenzt. Mit Tortendiagrammen und Tabellen alleine bilde ich die Welt nicht umfassend ab. Zu Studienbeginn sollte klarer auf die Grenzen der eigenen Fachdisziplin wie der wissenschaftlichen Methode selbst sensibilisiert werden. Das schafft Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das Studienfach wie Verinnerlichung beim anschlie\u00dfenden wissenschaftlichen Tun. Andernfalls mag es so mancher\/m Erstsemestrigen retrospektiv wie J. C. F. H\u00f6lderlin gehen:<\/p>\n<p><em>\u201e<\/em><em>Ach \u2013 w\u00e4r ich nie in eure Schulen gegangen! Die Wissenschaft, der ich in den Schacht hinunter folgte, von der ich, jugendlich t\u00f6richt, die Best\u00e4tigung meiner reinen Freude erwartete, die hat mir alles verdorben<\/em><em>!\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Noch mehr zu den\u00a0Themenfeldern des wissenschaftlichen Arbeitens, der Plagiatspr\u00e4vention und Wissenschaftsberatung sowie der Studien- und Pr\u00fcfungsvorbereitung f\u00fcr Studierende, Absolventen\/innen und Lehrende finden Sie u.a. in der &#8222;<a href=\"http:\/\/www.plagiatpruefung.at\/blogparade-zukunft-wissenschaftliches-arbeiten\" target=\"_blank\">Blogparade: Die Zukunft des wissenschaftlichen Arbeitens<\/a>&#8220; oder live in der monatlichen Gespr\u00e4chsreihe &#8222;<a href=\"http:\/\/buecherschmaus.wien\/abgekupfert-und-vergoldet-beginn-der-gespraechsreihe-ueber-deb-wert-der-bildung\" target=\"_blank\">Abgekupfert und vergoldet <i>\u2013<\/i> \u00fcber Werte und Wertigkeiten in der Bildungslandschaft<\/a>&#8222;!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leichtfertigkeit, Betrug und Ungenauigkeit in der Wissenschaft in Form von unrichtigen Forschungsbehauptungen, gef\u00e4lschten Studienergebnissen oder der unredlichen Anma\u00dfung fremder Leistungen sind nichts Neues.\u00a0Jedoch scheint die Investigation in Zeiten digitalisierter, zeit- wie kosteng\u00fcnstigerer und auch medienwirksamerer Recherche eine Renaissance zu erleben. 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