{"id":6858,"date":"2018-01-18T18:40:13","date_gmt":"2018-01-18T17:40:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/?p=6858"},"modified":"2018-02-02T18:00:12","modified_gmt":"2018-02-02T17:00:12","slug":"welt-weit-weg-ist-backpacking-out","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/index.php\/welt-weit-weg-ist-backpacking-out\/","title":{"rendered":"Welt, weit, weg&#8230; \u2013 Ist Backpacking out?"},"content":{"rendered":"<h2>Rucksackreisen und Blitzurlaube\u00a0\u2013 die Outputrosinen der Backpacking-Idee<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/helmet-2559548_1280.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-6875\" src=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/helmet-2559548_1280-300x169.jpg\" alt=\"Was alles mitnehmen?\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/helmet-2559548_1280-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/helmet-2559548_1280.jpg 963w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Backpacking beginnt nicht mit dem ersten Schritt, sondern schon beim Packen: &#8222;Wie sollen Hygiene-Artikel, W\u00e4sche und Verpflegung in dieses komische Rucksackding mit den tausend Schn\u00fcren, Schnallen und Laschen hineinpassen, ohne dass alles verknuddelt und\/oder ausl\u00e4uft?&#8220; Der Minimalismus beginnt im Kopf und nicht erst, wenn keine sauberen Socken mehr da sind, die Wasserflasche leer ist oder die nicht ausgeschilderte Abk\u00fcrzung doch keine war, wenn nachts der Regen auf dem unbeleuchteten Feldweg in der Pampa einsetzt. Backpacking wird gerne mit dem Mythos der Grenzerfahrung umgeben, des Durchk\u00e4mpfens und Erlaufens der Kultur statt blo\u00df des Fotografierens oder Hop-On-Hop-Off-Bus-Fahrens mit Audio Guide im Ohrloch. Individuelles Reiseerlebnis wird mit k\u00f6rperlichem Schwei\u00df und geistiger Flexibilit\u00e4t er- und sp\u00e4ter als einmaliges, selbst erarbeiteter Reiseerfolg verkauft. Verschwiegen bleiben langweilige Wartezeiten auf ausgefallene Verbindungsbusse, schmerzend-nervende Gelenke und die Momente, in denen man einfach nur eine hei\u00dfe Hoteldusche oder ein wei\u00dfes Bettlaken h\u00e4tte haben wollen&#8230; Manchmal sehnte man sich auch einfach nur nach zuhause.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>Take nothing but memories, leave nothing but footprints! (L. Si&#8217;al zugeschrieben)<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Obiges Zitat stammt von einem Indianerh\u00e4uptling, auf den u.a. die Gr\u00fcndung der Stadt Seattle im Nordwesten der USA zur\u00fcckgeht. Den indigenen Ureinwohnern Amerikas wurde &#8211; nicht immer frei von Karl-May-Romantisierungen &#8211; seit jeher eine besondere Naturn\u00e4he und -verbindung attestiert, fern ab von Ausbeutung oder des ungehemmten Strebens nach pers\u00f6nlichem Privatbesitz. Immaterialismus wie \u00f6kologische Nachhaltigkeit geh\u00f6ren heute (wieder) zum Werte-Kanon der &#8222;Generation Y&#8220;, wenn auch stark individualisiert und zeit-kontextual. Der zitierte Stammeschef war damals daf\u00fcr bekannt (und umstritten), sich der Kultur seiner europ\u00e4ischen Eroberer\/innen anpassen zu wollen. Umgekehrt lassen sich Teile der heutigen Generation heute immer seltener auf fremde Welten mit vollbeladenen Rucks\u00e4cken in 10-Bett-Schlafs\u00e4len und Gemeinschaftsk\u00fcchen ein. <a href=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/photographer-who-2130882_1280.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-6876\" src=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/photographer-who-2130882_1280-300x200.jpg\" alt=\"City Hopping by plane\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/photographer-who-2130882_1280-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/photographer-who-2130882_1280.jpg 1014w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Nicht zuletzt Dank der Billigflieger ist g\u00fcnstiges City Hopping mit leichten Ultra-Notebook im Trolley-Gep\u00e4ck hipp &#8211; ein klimatisiertes Einzelzimmer mit gratis WLAN geht sich meist aus. &#8222;Flashpacking&#8220; hei\u00dft der Trend, der meist ohne m\u00fchsames Schwitzen, Wege erkunden und Fu\u00dfblasen m\u00f6glichst auf effiziente, geb\u00fcndelte Reiseerfahrung aus ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als neue W\u00e4hrung unter solchen Reisenden z\u00e4hlt oft nicht die pers\u00f6nliche Erfahrung, sondern, wann der billigste F\u00e4hren-Preis f\u00fcr die \u00dcberfahrt verhandelt, wo die authentischste einheimische Nudelsuppe aufgetischt oder wie ein Tagesausflug mit den geb\u00fcndelten Eindr\u00fccken organisiert wurde. Neoliberalismus und Wettbewerbsgesellschaft (beides nicht per se schlimm!) haben Einzug gehalten in die Backpacking-Szene, so wie die wei\u00dfen Siedler\/innen damals das Indianerland auch kulturell besetzten. F\u00e4llt im heimischen Supermarkt meist nicht einmal auf, dass die Butter letzte Woche um 5 Cent g\u00fcnstiger war, kann diese reale Preisdifferenz im Billig-Reiseland mit Gleichgesinnten ganze Lagerfeuer-Diskussionen abendf\u00fcllen. In fremder W\u00e4hrung mit oftmals mehr Nullen, aber weniger Geldwert verkl\u00e4rt, facht der Stolz, nicht (vollst\u00e4ndig) als Touristen\/innen-Gans ausgenommen worden zu sein, als knisterndes Holzscheit die Glut an, auf der die Reste des Backpacking-Ideals verkokeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/freedom-2768515_1280.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-7002\" src=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/freedom-2768515_1280-300x190.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"190\" srcset=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/freedom-2768515_1280-300x190.jpg 300w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/freedom-2768515_1280-768x485.jpg 768w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/freedom-2768515_1280-1024x647.jpg 1024w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/freedom-2768515_1280.jpg 1279w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Als Kult aus den 70ern galt Backpacking lange als Arme-Leute-Reisen mit dem ausgelutschten Lonely Planet in der Jeans, den alle ehrfurchtsvoll &#8222;The Book&#8220; nannten. Dieses war der Subkultur der &#8222;Traveler&#8220; (Dauerreisenden) nachgebildet, die per definitionem immer in (zumindest potenzieller) Bewegung sind, deren Heimat der Ort der Gegenwart ist, und die einen ordentlichen Wohnsitz nicht als Normalzustand begreifen sondern das Reisen an sich. Die Aneignung von Mobilit\u00e4t diente nicht dazu, von A nach B zu kommen, umzuziehen oder zu fliehen &#8211; sie diente der pers\u00f6nlichen Unabh\u00e4ngigkeit. Backpacking war urspr\u00fcnglich der Versuch, diesen Zugang zumindest f\u00fcr begrenzte Zeit zu leben, auszubrechen aus der Gew\u00f6hnung an die Konsum-Society der Wohngesellschaft oder der Ausrichtung auf den konservativen Lebensstil der Nachbarschaft. Der revolution\u00e4re Abgrenzungsgedanke gegen\u00fcber oberfl\u00e4chlichem \u00d6lsardinen-Tourismus am Nordsee-Strandbad oder dem schlemmenden Familien-Urlaubsidyll im Schwarzwald tr\u00e4gt auch heute noch die Bewegung &#8211; angereichert um das hedonistische Kurzzeiterlebnis mit Individualisierungstopping.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Backpacking reloaded\u00a0\u2013 postmoderner Pilger\/innen-Spiritualismus 2.0?<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/beach-1853939_1280.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-7005\" src=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/beach-1853939_1280-235x300.jpg\" alt=\"\" width=\"235\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/beach-1853939_1280-235x300.jpg 235w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/beach-1853939_1280.jpg 666w\" sizes=\"auto, (max-width: 235px) 100vw, 235px\" \/><\/a>In der postmodernen Gesellschaft empfinden wir zugleich als B\u00fcrde und Segen, dass uns kaum noch feste Vorgaben lebenslang binden (traditionelle Werte, Milieu-Zugeh\u00f6rigkeiten, Familieneinstellung etc.). Das prozesshafte Ringen um die eigene Identit\u00e4t, die flie\u00dfende Konstruktion des Selbst, scheint im Reisen die perfekte Form gefunden zu haben: Flie\u00dfend wird die Reise selbst zum Ziel ohne konkrete Zielorientierung und entwickelt sich ohne Vorgaben fast wie &#8222;nat\u00fcrlich&#8220;:\u00a0Das Nomadische erfordert die engere Beziehung zur nat\u00fcrlichen Umwelt, weil es schlicht das \u00dcberleben erfordert. Nach Essen und Unterkunft fragen, begehbare Stra\u00dfen suchen und Verkehrsverbindungen wie Streckendauer checken, trete ich in elementare Resonanz mit der Welt meiner Grundbed\u00fcrfnisse. Die Ray-Ban-Sonnenbrille muss nicht stylisch wirken, sondern vor dem Kopfweh der grellen Strahlen \u00fcber mir sch\u00fctzen, denen ich 10 Stunden t\u00e4glich ausgesetzt bin. Das feste Schuhwerk verhindert Blasen am Abend und der Fleece-Pully soll vor allem leicht, warm und robust sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/pa-1807476_1280.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-7006\" src=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/pa-1807476_1280-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/pa-1807476_1280-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/pa-1807476_1280-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/pa-1807476_1280-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/pa-1807476_1280.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Gastrosophisch mag solches Reisen ungesund, weder asketisch reinigend noch hedonistische V\u00f6llerei sein. Die narrative Aktivit\u00e4t aber erscheint als gesundete Gegenwelt zu den k\u00fcnstlich erscheinenden Alltagsherausforderungen von Karriere, Familie und Selbstverwirklichungsselbstverpflichtung mit digitaler Facebook-Kontrolle unter gleichgesinnten Peers. Beim Backpacking werden einfachste\u00a0Ereignisse sichtbar, k\u00f6nnen in Bilder gepackt und nacherz\u00e4hlt werden. Hier muss nichts gepimpt oder individualisiert werden, es ist es bereits. Im Freizeitverhalten solchen Reisens besitze ich nicht nur die absolutistische Macht,\u00a0zu gehen, wohin ich will. Ich kann auch ohne Rechtfertigung abbrechen oder die Richtung mehrfach \u00e4ndern, ohne mich jemandem verpflichtet f\u00fchlen zu m\u00fcssen. Irrational oder absurd &#8211; hier kann jeder Weg der richtige sein. Im Alltag verlangt das Geldverdienen die Zuordnung zu einem Arbeitsort, einem Unternehmen oder eines Marktes. Ein Meeting mit Freunden\/innen will p\u00fcnktlich verlaufen, und die Vorlesungsmitschrift schreit nach Wiederholung. Backpacking verzichtet auf solche Logiken, weil diese nur systemimmanent gelten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>Tourists don&#8217;t know where they&#8217;ve been, travelers don&#8217;t know where they&#8217;re going! (Paul Theroux zugeschrieben)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/woman-2392970_1280.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-7007 alignright\" src=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/woman-2392970_1280-300x277.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"277\" srcset=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/woman-2392970_1280-300x277.jpg 300w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/woman-2392970_1280-768x710.jpg 768w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/woman-2392970_1280-1024x947.jpg 1024w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/woman-2392970_1280.jpg 1037w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Im System funktioniert niemand lange allein durch Anpassungsleistung, weswegen Anlass f\u00fcr l\u00e4ngere Reisen oft der Ver\u00e4nderungswille in einer Zwischenzeit bildet, wie z.B. beim Jobwechsel. Nach der K\u00fcndigung oder vor der neuen beruflichen Aufgabe l\u00e4sst sich eine Backpacking-Auszeit organisatorisch m\u00fchelos einschieben; nach der partnerschaftlichen Trennung oder einer pers\u00f6nlichen Lebenskrise l\u00e4sst sie sich zumindest gut rechtfertigen. Wie bei dem literarischen Konzept der &#8222;Heldenreise&#8220; startet der\/die reisende Protagonist\/in in archetypischem Grundmuster, einem (inneren) Ruf folgend nach abenteuerlicher Grenzerfahrung.<b> <\/b>Das bisherige Leben hat einen Knacks bekommen, einen Mangel offenbart oder ist um eine pl\u00f6tzlich erscheinende Aufgabe reicher, die es zu &#8222;bew\u00e4ltigen&#8220; geht. Bevor es physisch losgeht, muss mental das K\u00f6fferchen gepackt und die Heldenr\u00fcstung festgezurrt werden: &#8222;Soll ich es wagen, ganz allein vier Monate durch Indien zu trampen?&#8220;, hebt mein innerer Zensor den Sicherheitszeigefinger. &#8222;Was soll das hei\u00dfen, du bist dann mal weg?&#8220;, schrillt Mamas Handystimme den Jakobsweg entlang. &#8222;Wie, den\u00a0Appalachian Trail im Dezember? Wir haben fest mit deiner Heinz-R\u00fchmann-Parodie bei der j\u00e4hrlichen Abitreffen-Feuerzangenbowle gerechnet!&#8220;, grinst mich eine ehemalige Schulkollegin Skype-verzerrt an. Der erste Schritt kann aus Motivation, aus Verzweiflung oder auf den Psychotherapeuten\/innen-Ratschlag hin erfolgen, aber er muss von dir allein kommen &#8211; keine Heldenreise ohne Held\/in!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/shoe-684919.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-6879\" src=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/shoe-684919-289x300.jpg\" alt=\"\" width=\"289\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/shoe-684919-289x300.jpg 289w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/shoe-684919-985x1024.jpg 985w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/shoe-684919.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 289px) 100vw, 289px\" \/><\/a>Wenn Backpacking nicht bereits als Religionsersatz dient (die &#8222;Backpackerbibel&#8220; des bekannten, australischen Verlages wurde bereits erw\u00e4hnt), wird solches\u00a0Reisen oft bei der Durchf\u00fchrung als Form spiritueller Praxis erlebt. Wo Pilgerwege auch f\u00fcr Atheisten\/innen boomen und fern\u00f6stlich beeinflusste Esoterik mit Befreiungswanderungen lockt, dr\u00e4ngt sich die \u00c4hnlichkeit mit den religi\u00f6sen Pilgerfahrten des Sp\u00e4tmittelalters auf: Mit standardisierter Erscheinung (damals der Wanderstab, heute das Backpack), einem verbindenden Ethos (fr\u00fcher die Gottesfurcht, inzwischen das minimalistische Reisen) und der meditativen Grundstimmung durch routiniertes Wanderungen (ehemals vermittels der Rosenkranzgebete, nunmehr aufgrund des Flow-Zustandes bei k\u00f6rperlicher Trance-Erm\u00fcdung). Die Infosammlungen \u00fcber derlei Reise-Massenph\u00e4nomene m\u00fcndeten dereinst in Pilgerberichte und finden sich heutzutage in Onlineforen rezipiert.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend man dazumal jedoch quer durch alle gesellschaftlichen Schichten wie Altersgruppen hinweg pilgerte, pflegen heutigentags\u00a0vornehmlich gebildete, j\u00fcngere Heranwachsende der beg\u00fcterten Mittelschicht das Backpacking. Auch war dazumal erkl\u00e4rter Hauptzweck, die Pilgerst\u00e4tte tats\u00e4chlich zu erreichen, wohingegen nunmehrig oft der Weg das oder zumindest ein Ziel darstellt. Wurde das Pilgerwesen ehedem als immanenter Teil der (g\u00f6ttlichen) Ordnung gesehen, lebt Backpacking vom Ausbrechen aus dem Daily Business unter Betonung der individuellen Erfahrung. Beiden gemein bliebt aber die subjektive Transzendenz-Erfahrung!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Backpacking als Soft Skill Generale\u00a0\u2013 informelle Bildungswege gehen<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/boys-1782427_1280.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-7019\" src=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/boys-1782427_1280-300x206.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"206\" srcset=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/boys-1782427_1280-300x206.jpg 300w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/boys-1782427_1280-768x527.jpg 768w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/boys-1782427_1280.jpg 897w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Diese Transzendenz kann spirituell sein, muss es aber nicht (mehr). Wo heute Reisefreiheit und Freiz\u00fcgigkeit, fortschreitende Staatenbefriedung und Globalisierung Platz greifen, gelten Individualreisen als allgemeines Gut unter der o.g. Zielgruppe. Die Transzendenz mag manchmal durch gro\u00dfe r\u00e4umliche \u00dcberwindungen oder das Sammeln pers\u00f6nlicher Grenzerfahrungen gebildet sein, lehrreich ist sie zumeist.\u00a0Statt Schulbuchfakten und Uni-Theorien wird Erfahrungswissen nicht nur gesammelt sondern oft auch unter Echtzeitbedingungen angewendet. In der Bologna-Terminologie klingt die M\u00e4r vom Lifelong-Learning (LLL) oft wie die lebensl\u00e4ngliche Gerichtsverurteilung zur Erhaltung der Employability &#8211; im Backpacking wird sie als Form\u00a0informellen Lernens integriert und mit Pers\u00f6nlichem in direktem Austausch mit Anderen nachhaltig vernetzt. Ohne fixes Learning Outcome im Setting verlangt Backpacking die st\u00e4ndige Selbstdefinition meiner Lernfortschritte, interkulturelle Kompetenzen wie mentale Selbstdisziplin und k\u00f6rperliche Selbstbeschr\u00e4nkung, gleichsam Flexibilit\u00e4t und die Spiegelung meiner Einstellungen und Vorurteile. Konfrontiert mit Fremdartigem, kontr\u00e4ren Lebensentw\u00fcrfen und Kontextabh\u00e4ngigkeit reift\u00a0&#8222;Globality&#8220; als Kernkompetenz der heutigen Globalisierungswelt heran.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/adult-2693054_1280.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-7021\" src=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/adult-2693054_1280-300x181.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"181\" srcset=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/adult-2693054_1280-300x181.jpg 300w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/adult-2693054_1280-768x463.jpg 768w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/adult-2693054_1280-1024x617.jpg 1024w, https:\/\/www.absolventenakademie.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/adult-2693054_1280.jpg 1051w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Backpacking erfordert (gerade wegen der Ziellosigkeit) ferner Selbst-Organisationskompetenzen: Vom individuellen Planen der Reise \u00fcber das Reagieren auf ungeahnte Ver\u00e4nderungen vor Ort, die Beschaffung von Essen und Unterkunft wie den Ausgleich von Krankheiten oder Schlafmangel.\u00a0Deshalb ist auch Backpacking eben so wenig zweckbefreit wie das gern verkl\u00e4rte humboldtsche Bildungsideal: Gelerntes kann vielmehr sp\u00e4ter privat wie beruflich von Nutzen sein, wird aber (hoffentlich) nicht nur dazu erworben.<\/p>\n<p>Als Teil der\u00a0 Glokalisierungsbewegung stellt Backpacking reloaded einen Gegenentwurf zur endgrenzenden Globalisierung dar. Letztere l\u00e4sst r\u00e4umliche Grenzen digital verschwimmen, was weltwirtschaftlich erhebliche M\u00f6glichkeiten bietet. Der\u00a0Mensch verlangt aber auch nach Face-to-Face-Erfahrungen, die sich mit der virtuellen Welt decken. Das Backpacking selbst kann man nicht als Online-Spiel oder in der WhatsApp-Gruppe betreiben, die gemachten Eindr\u00fccke noch nicht einmal lediglich online abbilden. Stattdessen geh\u00f6ren Traveler-Meetings, Events des Hospitality Club wie das Kennenlernen von gleichgesinnten Backpackern\/innen auf den Reisen mit dazu. Die Backpacker\/innen-Community ben\u00f6tigt nicht nur das Sharen von Reiseerlebnissen oder Tipps, sondern auch die Co-Pr\u00e4senz, um Vertrauen zu bilden und das Erlebnis abzurunden. Dessen Einzigartigkeit, Intensit\u00e4t oder Besonderheit sind selten die entdeckten Menschen, Landschaften und Dinge &#8211; es ist die Reise ins Innere deiner selbst!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>Du kannst vor allem M\u00f6glichen davon laufen, aber nicht vor Dir Selbst! (Buddha zugeschrieben)<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rucksackreisen und Blitzurlaube\u00a0\u2013 die Outputrosinen der Backpacking-Idee Backpacking beginnt nicht mit dem ersten Schritt, sondern schon beim Packen: &#8222;Wie sollen Hygiene-Artikel, W\u00e4sche und Verpflegung in dieses komische Rucksackding mit den tausend Schn\u00fcren, Schnallen und Laschen hineinpassen, ohne dass alles verknuddelt und\/oder ausl\u00e4uft?&#8220; Der Minimalismus beginnt im Kopf und nicht erst, wenn keine sauberen Socken mehr&#8230; <\/p>\n<div class=\"clear\"><\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/index.php\/welt-weit-weg-ist-backpacking-out\/\" class=\"gdlr-button with-border excerpt-read-more\">Read More<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":6878,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,85,88,76],"tags":[],"class_list":["post-6858","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-bildung","category-leben","category-persoenlichkeit"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Welt, weit, weg... \u2013 Ist Backpacking out? - ABSOLVENTENAKADEMIE<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.absolventenakademie.at\/index.php\/welt-weit-weg-ist-backpacking-out\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Welt, weit, weg... \u2013 Ist Backpacking out? - ABSOLVENTENAKADEMIE\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Rucksackreisen und Blitzurlaube\u00a0\u2013 die Outputrosinen der Backpacking-Idee Backpacking beginnt nicht mit dem ersten Schritt, sondern schon beim Packen: &#8222;Wie sollen Hygiene-Artikel, W\u00e4sche und Verpflegung in dieses komische Rucksackding mit den tausend Schn\u00fcren, Schnallen und Laschen hineinpassen, ohne dass alles verknuddelt und\/oder ausl\u00e4uft?&#8220; Der Minimalismus beginnt im Kopf und nicht erst, wenn keine sauberen Socken mehr... 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