20 Jul 2015

Andere überzeugen – die Technik alleine macht’s nicht!

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Eine Lese-Empfehlung, bitte?
Oft werde ich als Hochschuldozent, Trainer der Erwachsenenbildung und Führungskraft im Studienwesen gefragt, welche Literatur ich denn für den Lehrbetrieb empfehlen könne. Gerne rette ich mich dann manchmal damit, dass eben Jede/r die eigenen textalischen Zugänge habe, Jede/r anders lerne und das Herausfinden der selbst genehmen Ausbildungsliteratur auch einen wesentlichen Teil des Selbststudiums ausmache.

Nun ersetzt dies jedoch zum einen nicht die didaktische Aufgabe, auch zumindest differente Angebote zu machen, Literaturangaben zu eröffnen und denkbar ungeeignetes Auszusortieren. Zum anderen mag dies heute wohl allenfalls für das Studium Generale humanistisch verklärter Bildungsromantiker zutreffen; für die von uns herangezüchteten Hard-Core-Bolognalisten hingegen trifft dies kaum noch zu. Lesefreundlich, knapp auf den Punkt und in mundgerechte Häppchen verpackt möchte es serviert sein. Das gilt umso mehr für die mit zeitlicher Verknappung gestraften, potenziellen Hochschulabsolventen/innen bzw. gerade frisch Erstgraduierten im Weiterbildungsstress – Insbesondere dann, wenn sie in der Hochschullehre weiterstrampeln wollen.

Die Rede ist vom sog. „akademischen Unterbau“, den vielen fleißigen studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräften, den Lehr-Tutoren/innen, Schreib-Mentoren/innen oder Lern-Peers, den Studienassistenten/innen, Prae-Docs und wissenschaftlichen (Projekt-) Mitarbeiter/innen. Deren zahlreiche Funktionen und Aufgaben sollen hier weder vollständig aufgezählt noch bewertet sondern lediglich zwei herausgepickt werden: Die Betreuung und (faktische Vor-) Bewertung von Abschlussarbeiten sowie der Einsatz als Tutor/in in der Lehre. Für Erstgenanntes wird im Folgenden das Praxisbuch von E. B. Keller und S. Jörissen: „Abschlussarbeiten im Studium anleiten, betreuen und bewerten“ näher beleuchtet, für Zweitgenanntes dasjenige von H. Kröpke: „Tutoren erfolgreich im Einsatz“ (beide UTB/ Verlag Barbara Budrich; Opladen/Toronto 2015).

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Abschlussarbeit, nicht nur für Studis eine Herausforderung
Das Taschenbuch von Keller/Jörissen greift eine zumeist ambivalente Sichtweise zum Thema auf: Das Curriculum sieht dafür viele ECTS vor, ein Begleitseminar, oft ein Semester und mehr an Vorbereitung und verkauft es den Studierenden als die wissenschaftliche Krönung ihres Studiendaseins. Lehrende nehmen die Betreuung und Bewertung von Abschlussarbeiten oft als Last wahr, der leider nur mit dem allernötigsten Aufwand begegnet werden kann.

Nach einem einführenden Überblickskapitel widmet sich das handliche Taschenbuch den fachlichen wie überfachlichen Kompetenzen. Gerade letztere in Form von Methodenkompetenz (z.B. Wie recherchiere ich für meine Arbeit?), Sozialkompetenz (z.B. Wie gehe ich mit Kritik im Rahmen einer Team-Arbeit um?) und Selbstkompetenz (z.B. Wie motiviere und diszipliniere ich mich im Hinblick auf den Abgabetermin?) sind hier besonders wichtig. Die Autoren beschränken die Vermittlung dieser Kompetenzen aber nicht allein auf die Abschlussarbeit sondern viel weiter gefasst auf das Gesamtstudium, beginnend mit dem ersten Semester wie im Kontext von Employability. Mag dies alles in der Tat zur Anleitung von Abschlussarbeiten Bezug finden, so verschlingt diese allgemeine Hochschuldidaktik bereits fast das erste Buchdrittel, wenn auch anschaulich am Beispiel von Kompetenzrastern und Lernportfolios. Eine eigene Darstellung zu überfachlichen Kompetenzen findet sich in dem von Detlef Ufert ebenfalls im UTB/Verlag Barbara Budrich herausgegebenen Werk „Schlüsselkompetenzen im Hochschulstudium – eine Orientierung für Lehrende“ (Opladen/Toronto 2015) mit eingehender Rezension HIER.

Das wissenschaftliche Schreiben wird zwar ob der Wichtigkeit in einem eigenen Kapitel mit praktischen Anwendungen zum Schreibprozess, zur integrativen Schreibvermittlung und zur Textanalyse behandelt, aber nur sehr überblicksartig auf 15 Seiten. Beispielsweise wird die Thematik von korrekter Zitierweise und Plagiarismus auf einer knappen Seite abgehandelt, damit Zusammenhängendes wie Ghostwriting oder überhaupt die wissenschaftliche Integrität und Ethik gar nicht erwähnt. Wenn bei Betreuern/innen kein Bewusstsein dafür geschaffen wird, kann dies bei den Studierenden auch nicht vorausgesetzt werden.

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Der Begleitung der Abschlussarbeit wird das Kapitel „Wirk- und Kontextfaktoren“ vorangestellt, wo z.B. die Betreuer/innen-Persönlichkeit, die Betreuung innerhalb von (Team-) Projekten oder auch die unterschiedlichen Betreuer/innen-Rollen (Beratung, Führung, Expertentum etc.) gesondert behandelt werden. Das wird gerade jungen Betreuern/innen helfen, sich selbst in ihre Rolle zu finden und die Fremdwirkung ihrer (oft unterbewussten und von Kontexten determinierten) Handlungen zu hinterfragen. Antwortet z.B. ein/e Betreuer/in eine Woche nicht auf eine Studierendenanfrage, kann dies fehlendes Interesse vermitteln, obwohl er/sie vielleicht nur zufällig an einer Feldstudie in Übersee teilnimmt. Warum der eigentliche Ablauf der Begleitung in Form von Zeitplanung, Abstimmung zwischen Betreuer/in und Studierendem/r, Themensuche, Exposé, Durchführung, Peer-Feedbacks etc. im darauf folgenden Kapitel nur kurz angerissen bzw. nur sehr knapp behandelt wird, bleibt die Frage.

In dem Kapitel über die Bewertung der Abschlussarbeit wird zunächst der Rollenwechsel von Betreuendem/r zu Bewertendem/r samt dessen Auswirkungen thematisiert, um sich dann der Notengebung und den Bewertungskriterien (z.B. mit einem Kriterien-Raster) zuzuwenden. Das Buch schließt mit einer weithin entbehrlichen Zusammenfassung nach „Ebenen“ (Studiengang, Studierende, Dozierende) und dem Literaturverzeichnis. Generell zeichnet sich das Buch durch einen didaktisch tiefgehenden Zugang mit vielen praktischen Tipps aus, mag die Eigenbezeichnung „Framework für die Begleitung von Abschlussarbeiten“ auch mehr angestrebte Ganzheitlichkeit suggerieren wollen als erfüllen. So vermisse ich eine leicht nachvollziehbare, stringente Gliederung ebenso wie z.B. die Handhabung formeller Qualitätssicherungssysteme in der Lehre, gleichsam wie die gezielte Nutzung von Vernetzung unter den Lehrenden oder die Frage, wie Lehrende sich z.B. abgrenzen können gegenüber „Massenbetreuungen“ oder Publikationen aktiv fördern. Kommt insgesamt auch deren Perspektive bei diesem Buch kürzer, als es der Titel erwarten lässt, gibt es trotzdem eine bereichernde Lektüre für Betreuer/innen ab.

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Wie die Jungfrau zum Kinde – Tutor/in werden ist nicht schwer, Tutor/in sein…
„Ein praxisorientierter Leitfaden für Tutoren und Tutorentrainer“ schreibt sich das Taschenbuch von Kröpke in den Untertitel, und so ist es auch aufgebaut: Nach einem kurzen Einblick in die Bedeutung und die Bedingungen um und von Tutoren/innen geht es sogleich mit Best-Practise-Bausteinen los. Zunächst werden die strukturellen Themen Planung, Durchführung und Nachbereitung von Tutorien als Lehrveranstaltungsrahmen in der Art eines Baukastensystems dargestellt. Da teilweise hochschulspezifisch allerhand Vorgaben dafür existieren, hat dies den Vorteil sich jeweils nur bestimmte Inhalte herausnehmen zu können. Oftmals dominieren aber (rhetorische) Fragen oder auch holzschnitzartige Aufzählungen, wie etwa bei dem Postulat, Lernziele müssten stets „SMART“ sein (man möchte dies bereits kritisch hinterfragen), ohne aber zu veranschaulichen, wie so eine Zielfindung in der Praxis abläuft und wer sie letztlich forciert. Auch der „Exkurs: …Lernen lernen“ scheint mehr der Vollständigkeit einer knappen Aufzählung zu dienen denn der Vermittlung didaktischer Kompetenzen an die/den Leser/in.

In dem Kapitel „Handwerkszeug“ wird die Tutor/in-Tudanten/innen-Beziehung in der Lehrpraxis behandelt: Wie motiviere ich die Gruppe? Wie gehe ich mit schwierigen Tutorium-Situationen um? Wie moderiere ich eine Studierendendiskussion? Mit vielen Beispielen aus Bildungs- und Kommunikationswissenschaft (Eisbergmodell, JOHARI-Fenster etc.) liest sich die Darstellung an manchen Stellen wie ein abgespecktes Train-The-Trainer-Handbuch mit stark komprimiertem Stoff. Hier wird unbedarften Lesern/innen, die gerade aufgrund einer exzellenten Seminarnote von einem/r Professor/in zum Tutor gemacht wurden (wie so oft), viel Vorverständnis abverlangt, zumal vieles nicht weiter didaktisch erläutert wird. Beispielsweise wird die Kleingruppenbildung einfach und gut aufgezeigt, allein es fehlt der Hinweis, wann und inwiefern sich Kleingruppenarbeit eignet (z.B. im Vergleich zur Gruppenarbeit, die weiter oben in nur zwei Zeilen gegenüber der Einzelarbeit abgrenzt wurde).

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Im Abschnitt „Selbstbewusst reden“ geht es um die Person des/r Tutors/in selbst, wobei schon die Kapitelüberschrift erstaunt: Stellt die selbstsichere Rhetorik DEN Schlüssel zu einer gelungenen Lernkommunikation dar? In einer folgenden Mischung aus Präsentationstechnik, Eigenmotivation und Körpersprache kann man leicht diesen Eindruck gewinnen. Hier wie im gesamten Buch wird dessen Anspruch, ein Ratgeber gezielt für Tutoren/innen in deren Peer-Teaching-Situation zu sein, am wenigsten eingelöst. Dass ein langweiliger Vortragsstil, mangelndes Selbstbewusstsein und fehlender Blickkontakt ein jedes Lern-Setting zum Absturz bringen können, sei geschenkt. Allein die zu Anfang des Buches ganz zu Recht angeführte „Schanierfunktion“ zwischen Lehre (Professor/in) und Studium (Studierende) wird auf die praktische Ebene nicht heruntergebrochen (Sollen Tutoren/innen als „kleine“ Professoren/innen gesehen werden?). Die beiden Schlusskapitel „Persönliche Lieblingsmethoden“ (10 Miniübungen) wie „Zum guten Schluss“ (hochschulpolitische Forderungen) bieten außerhalb der Gliederung stehend den Lesern/innen wenig an Mehrwert.

Ein großes Plus dieses Buches ist die zielgruppengerechte Sprache, viel praxisrelevanter Inhalt und die starke Übersichtlichkeit mittels Bullet Points, vielen Zwischenüberschriften sowie Methoden-Tipps. Mir persönlich wird mit zu vielen unterschiedlichen visuellen Mitteln gearbeitet (Kursivschrift, Fettdruck, Kapitalschrift, Einrückungen, Emoticons, Unterstreichungen, Einrahmungen, Bildern), die nicht immer der Verständlichkeit denn einer Verspieltheit zugeneigt scheinen. Auch kommt die konkrete Hilfestellung für Tutorentrainings, sprich: die Schulungen von Tutoren/innen, etwas kurz, verlangt dies doch auch methodisch andere Ansätze wie z.B. Supervision.
Für (künftige) Tutoren/innen dennoch als schnelles Nachschlagewerk sehr gut geeignet.

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Begeisterung weitergeben – WAS habe ich wirklich zu sagen?
„Tja, die Zeit ist aus – Dann bis zum nächsten Mal…“, bricht der/die Seminarleiter/in ermüdet inmitten der Übung ab. „Heute wird’s trocken, denn der Stoff ist vorgegeben – Also müssen wir uns da durchquälen…“, leitet der/die Vortragende zwanghaft grinsend ein. Was haben diese und ähnliche Situationen gemein?

Sie sind didaktisch-methodisch schlecht? – Stimmt. Kommunikation und Wording könnten positiver rüberkommen? – Auch wahr. Aber vor allem: Es fehlt die persönliche Begeisterung für das Thema! Können Sie sich noch an den alten Ordinarius erinnern, dessen Tafelschrift unleserlich war, der weder Powerpoint noch Prezi verwendete und manchmal wirres Zeug in sein zerzaustes Akademikerbärtchen nuschelte? Warum Sie sich an manche Inhalte aus seinen Vorlesungen vielleicht noch erinnern, liegt daran, dass er Sie (wie auch immer) inhaltlich begeistern wollte und konnte! Ihr Gehirn hat ihm dies damals „abgenommen“ und als wichtig abgespeichert.

Haben Sie den durchgestylten Business-Juniorprof noch im Kopf, der sich leger ohne Krawatte mit dem Vornamen ansprechen ließ, Ihnen neben Folien zum Download auch noch das braungebrannte Sonntagslächeln entgegenbrachte in Wohlfühlatmosphäre? Nach (fast) jeder Stunde sind sie belustigt und unterhalten gegangen wie nach einem Robbie-Williams-Konzert, und was haben Sie dort alles gelernt? – Eben. Selbstbewusstsein, hochgerüstete Tools und Begeisterung für sich selbst bzw. den gesponsert-klimatisierten Hörsaal reichen nicht… Für die Sache muss es sein!

Wenn Sie das lernen wollen, besuchen Sie doch (studien- und berufsbegleitend) unseren Lehrgang: „Begeisterung weitergeben – Im Fernstudium zum Kommunikationstrainer – Statt verkopfter Bildungsdidaktik lernen Sie u.a. mit Performance-Techniken und Ihrer Persönlichkeit so zu überzeugen, wie es zu Ihnen passt!